Zum Hauptinhalt springen

OCP – Open Compute Project

Was macht OCP so spannend – auch außerhalb der Hyperscaler-Welt?

Mehr als nur eine andere Rackform

Vorab: OCP (Open Compute Project) ist nicht einfach eine „andere Rackform", sondern verfügt über einige neue Ansätze im Vergleich zur klassischen 19″-Enterprise-Welt, bietet somit ein maximal skalierbares Betriebskonzept und neue Gestaltungsmöglichkeiten im RZ-Design.

OCP-Steckbrief

OCP ist ein offenes Hardware-Ökosystem, in dem Betreiber und Hersteller konkrete Spezifikationen für Server, Storage, Racks und Power-Architekturen definieren – mit dem Ziel, Betrieb und Skalierung einfacher und effizienter zu machen.

Als Nutzer des OCP-Ökosystems bindet man sich somit weniger stark an einen Hersteller und wählt einen sehr breit verfügbaren Standard, der Interoperabilität per Design unterstützt.

Das sehe ich insbesondere in aktuellen Zeiten, in welchen eine Vendor-Bindung in Bezug auf Flexibilität, Verfügbarkeit, Lieferzeiten und Pricing eine selten dagewesene Einschränkung darstellt, als großen Gewinn an.

Wodurch zeichnet OCP sich aus?

  • Offene Spezifikationen statt proprietärer Insellösungen mit Vendor-Lock-in: OCP gibt Standards für Mechanik/Packaging/Power/… vor. Egal von welchem Hersteller die Hardware beschafft wird, sie ist kompatibel mit jeglicher weiterer OCP-Hardware desselben OCP-Standards.
  • Ein triviales Beispiel sind Rack-Einbauschienen – bei konventioneller Enterprise-Hardware sind diese oft spezifisch exklusiv für einen Hersteller/eine Produktlinie ausgelegt, müssen bei einem Herstellerwechsel aufwändig demontiert, vom neuen Vendor beschafft und neu montiert werden. Bei OCP funktionieren sie Plug and Play für alle OCP-Server derselben OCP-Spezifikation, unabhängig vom Vendor.
  • 48V-DC-Architekturen für eine höhere Betriebseffizienz: ORv3 bietet eine zentrale Power-Distribution und AC/DC-Wandlung auf Rack-Ebene, generiert somit Skalierungseffekte und ermöglicht je nach eingebautem Gerät weniger Wandlungsstufen → dies kann messbar Verluste reduzieren (abhängig von Lastprofil/Design).
  • Bessere Serviceability: Die Montage der Hardware ist überwiegend komplett werkzeugfrei (sogar für Equipment-Einbauschienen), Geräte sind oft komplett an der Front und somit im Kaltgang servicierbar; je nach Variante – Stichwort zentrale Stromschiene – entfallen Kabel zur Stromversorgung und Geräte rasten einfach an der Stromschiene ein.
  • Hardware-Dichte: Racks sind innen breiter und bieten auf demselben Footprint wie ein 19″-Rack (600 mm Breite) mehr nutzbaren Raum (21″) für Kühlung/Kabel/Module → kann die effektive IT-Dichte verbessern.
  • Interoperabilität ohne Hürden: Für 19″-Geräte existieren Montage- und teilweise auch Stromschienen-Adapter, ein Mischbetrieb mit klassischer 19″-Hardware im OCP-Rack ist also möglich.
  • Offenere Management-Ansätze: häufig näher an offenen / nicht proprietären Standards (z. B. Redfish, OpenBMC-Ökosystem).
  • AI/HPC-freundlich by Design: ORv3-Architekturen sind auf höhere Rack-Leistungsdichten ausgelegt und oft „DLC-ready" (je nach Plattform), es gibt auch schon Immersion-Cooling-Lösungen im OCP-Portfolio.
  • OCP ist massenerprobt – und auf maximale Skalierbarkeit ausgelegt → OCP ist seit Jahren insbesondere in Hyperscale-Umgebungen im Einsatz, und die Weiterentwicklung geschieht sehr aktiv, auch in Europa/Deutschland.
  • Quasi alle relevanten Hersteller im Datacenter-Kosmos bieten OCP-Produkte an oder führen sie gerade ein.

Für wen ist – meiner Meinung nach – OCP interessant?

  • Zielgruppen, die Umgebungen mit regelmäßiger Skalierung (neue Kapazität) / maximaler Standardisierung und Automatisierung / Multi-Vendor-Strategie / maximaler Effizienz nutzen → Cloud-Native-artige Umgebungen.
  • Notwendige Größenordnung: pauschal schwer – als grobe Daumenregel sehe ich mindestens 20+ Racks als Bereich, ab dem eine Betrachtung einer OCP-Implementierung Sinn macht.

Und für wen eher nicht?

  • Nutzer von Standard-Colo-Produkten in kleinem Volumen → Colo-Racks sind typischerweise 19″ und haben keine Flexibilität in der PDU-Auswahl. Manche Colo-Anbieter zeigen sich aber flexibel für OCP-Implementierungen, spätestens bei Setups mit eigenem Cage/Raum.
  • Zielgruppen, die keine eigenen Betriebsteams haben → „Ticket auf, Hersteller macht" funktioniert bei OCP explizit nicht. Ohne Team, das Beschaffung, Hardware-Lifecycle, Firmware(s), Sparepart-Vorhaltung und Standardisierung gewährleisten kann, wird's anstrengend.

Typische Fragestellungen und Herausforderungen bei der Erwägung, OCP einzusetzen

  • „Was genau passt zu uns und unserem Bedarf?" (OCP ist breit, man muss den richtigen Einstieg wählen.)
  • Hybridbetrieb: Viele Umgebungen brauchen lange Zeit parallel klassische und neue Konzepte; für eine Bestands-IT ist es unwahrscheinlich, dass sie komplett auf OCP umsteigen kann.
  • Betriebliches Umdenken: Neue Rack-/Power-Konzepte ändern Abläufe in Installation, Wartung und Störungsbehebung. Oft zum Positiven, aber auch diese Änderungen müssen erfolgreich implementiert werden (prozessual und auf menschlicher Ebene / für die Betriebsteams).
  • Infrastruktur-Abhängigkeiten: Höhere Leistungsdichten erfordern meist Anpassungen bei Stromzuführung und Kühlung im RZ.
  • Beschaffung: Gerade weil OCP mehr Optionen eröffnet, ist es herausfordernd, von Anfang an die richtigen, zueinander passenden Komponenten und Lieferwege optimal zu wählen oder eine Ersatzteilhaltung entsprechend aufzubauen.
  • Pilotierung & PoC: Wie bei jeder relevanten / teuren Infrastruktur-Änderung ist ein Pilot/Test unerlässlich.

Wie b-unity unterstützt

Mit der b-unity GmbH unterstützen wir sehr gerne bei den oben genannten Herausforderungen – und begleiten allgemein auf dem Weg, OCP pragmatisch zu bewerten, einen risikoarmen / maßgeschneiderten Einstieg zu erzielen und den passenden Ansatz für Ihr Unternehmen zu wählen.

OCP zum Nachlesen & „zum Anfassen"

Kontaktieren Sie uns!

Wir freuen uns darauf Sie kennenzulernen

Gerne nehmen wir uns gemeinsam auch Ihrer IT an und entwickeln strategische Grundsätze, entwerfen verlässliche Systemarchitekturen, implementieren eine fundierte Basis und sorgen für eine modulare, skalierbare und hochverfügbare IT in Ihrem Unternehmen – auch abseits von SAP. Rufen Sie uns an oder schreiben uns eine E-Mail: Wir sind gespannt, was wir zusammen erreichen können!